Der Jänner 2026 brachte nicht nur hochwinterliche Temperaturen und anhaltende Inversionslagen, sondern auch ein meteorologisches und astronomisches Highlight: deutlich sichtbare Polarlichter (Aurora Borealis) über Teilen Kärntens. Während der Großraum Villach häufig unter einer zähen Hochnebeldecke lag, eröffneten sich auf den umliegenden Bergen – insbesondere auf der Gerlitzen sowie den Rosstratten am Dobratsch – spektakuläre Ausblicke auf den nächtlichen Himmel.
Warum war das Polarlicht so außergewöhnlich stark?
Auslöser für das intensive Polarlicht war eine erhöhte Sonnenaktivität. In den Tagen zuvor hatte die Sonne mehrere energiereiche koronale Massenauswürfe (CME) in Richtung Erde entsandt. Diese Wolken aus geladenen Teilchen trafen nahezu frontal auf das Erdmagnetfeld.
Die Folge:
- starke geomagnetische Störungen (hoher Kp-Index),
- Polarlichter reichten ungewöhnlich weit nach Süden,
- selbst Mitteleuropa lag zeitweise im Einflussbereich der Aurora-Ovale.
Zusätzlich begünstigten die sehr klare, trockene Höhenluft über den Bergen sowie die geschlossene Hochnebeldecke in den Tälern die Sichtbarkeit. Das rötliche Polarlicht wurde nicht nur am Himmel sichtbar, sondern spiegelte sich eindrucksvoll im Schnee und sogar in der Hochnebeldecke, was dem Ereignis eine fast surreale Anmutung verlieh.
Die besondere Wettersituation in Kärnten
Hochnebel im Becken – klare Sicht am Berg
Während Villach und weite Teile des Drautals über Tage hinweg unter Hochnebel gefangen waren, lagen die umliegenden Gipfel oberhalb der Inversion:
- ruhige Hochdrucklage,
- kaum Wind,
- sehr kalte Nächte,
- ausgezeichnete Fernsicht über dem Nebelmeer.
Diese Konstellation sorgte dafür, dass das Polarlicht von den Tälern aus kaum oder gar nicht sichtbar war, auf den Bergen jedoch umso eindrucksvoller erschien.
Beobachtungen von den Webcams
Besonders eindrucksvoll waren die Aufnahmen der Bergwebcams:
- Gerlitzen: großflächiges rotes Leuchten über dem Nordhorizont, klar abgegrenzte Aurora-Bögen.
- Rosstratten (Dobratsch): intensive Rot- und Gelb-/Grüntöne, Reflexionen auf Schneeflächen, deutlich erkennbare Strukturänderungen im Minutenabstand.
Die zeitweise Intensivierung der Polarlichter war klar erkennbar – ein Hinweis auf wiederholte Teilchenstöße aus dem Sonnenwind.
Temperatur- und Wetterkontrast: Berg vs. Tal
Die Polarlichtnächte fielen in eine Phase markanter Kälte:
- Kanzelhöhe: bis zu −13 °C
- Weitensfeld: rund −11 °C
- Bad Bleiberg & Dobratsch: etwa −8 °C
- Villach-Lind: deutlich milder, rund −4 °C bis −5 °C
In Villach selbst blieb die Schneedecke nach leichtem Tauwetter zuvor bei etwa 7 cm, während auf den Bergen trockener, pulvriger Schnee dominierte – ideale Bedingungen für Lichtreflexionen.
Ein seltenes Ereignis für unsere Breiten
#Aurora over the #Alps
— mohartl (@mohartl) January 20, 2026
I saw her dancing for the first time of my life
Location: 46 °N Koralpe, Carinthia, Austria.@JAtanackov @Vincent_Ledvina @TamithaSkov @uwz_at @nikzimmer87 @manu_oberhuber pic.twitter.com/Wvgw68LUzd
Polarlichter dieser Intensität sind in Kärnten eine absolute Ausnahme. Dass sie gleich über mehrere Stunden hinweg sichtbar waren und fotografisch dokumentiert werden konnten, macht dieses Ereignis besonders wertvoll – nicht nur für Wetter- und Astronomiebegeisterte, sondern auch als eindrucksvolles Beispiel für das Zusammenspiel von Sonne, Atmosphäre und regionalem Wettergeschehen.
Fazit
Anbei noch ein Foto von Regina Hubmann aus Hellmonsödt, Mühlviertel. Wie geil ist das denn bitte?! pic.twitter.com/nGWiSso91p
— uwz.at (@uwz_at) January 19, 2026
Der Polarlichtabend im Jänner 2026 wird vielen Beobachter:innen in Erinnerung bleiben:
- außergewöhnlich starke Sonnenaktivität,
- perfekte Hochdruck-Wetterlage,
- eindrucksvolle Kontraste zwischen Hochnebel im Tal und klarer Bergluft,
- einzigartige Farbspiele am Himmel – gespiegelt in Schnee und Nebel.
Ein seltenes Naturereignis, das eindrucksvoll zeigte, wie dynamisch und faszinierend unsere Atmosphäre sein kann.
Polarlichter über Österreich! Ein unglaubliches Naturschauspiel, so wie hier rund um Kitzbühel. In dieser Form nur selten bei uns zu sehen.#polarlichter #auroraborealis #aurora #österreich pic.twitter.com/N5MiGKwO59
— Matthias Markel (@MatthiasMarkel) January 19, 2026
Bilder und Webcam-Aufnahmen: Wetterstation Villach / regionale Bergwebcams