Vorläufige Bilanz vom 22. Oktober 2026, Donnerstagnachmittag. Die heutigen Tagessummen sind noch nicht abgeschlossen.

35,2 Liter Regen pro Quadratmeter in Villach-Lind, rund 40 bis 50 Liter an mehreren Stationen im Gailtal und im Raum Villach – und mehr als 300 Liter in Teilen Friauls: Tief KATJA hat den Wetterwechsel an der Alpensüdseite gebracht. Während im Tal Regen fiel, wurden die höheren Berge weiß. Zeit für einen Rückblick: Wie lief die Wetterlage ab, und wie gut hatten die Modelle sie seit dem Wochenende erfasst?

Vom frühen Italientief-Signal zum Regenereignis

Schon in den am Wochenende besprochenen Modellkarten war eine markante Wetterverschlechterung zur Wochenmitte erkennbar. Eine Tiefdruckentwicklung über Norditalien sollte feuchte Luft an die Alpensüdseite führen. Der Schwerpunkt zeichnete sich südlich und südwestlich von Villach ab, besonders an den Karnischen und Julischen Alpen sowie in den italienischen Staulagen.

Für Villach deuteten die frühen globalen Modellkarten ungefähr auf 30 bis 50 Millimeter hin. Das war mehrere Tage vor dem Ereignis ein brauchbarer Hinweis auf eine ergiebigere Regenphase. Wie weit die stärkeren Niederschlagsfelder nach Kärnten übergreifen würden, blieb jedoch unsicher.

Die weiteren Beiträge dokumentieren, wie sich die Einschätzung mit neuen Läufen änderte. Genau dieser Verlauf ist rückblickend aufschlussreich: Ein einzelner Lauf liefert eine mögliche Entwicklung; mehrere Läufe zeigen, welche Teile der Prognose Bestand haben.

Warum KATJA südlich der Alpen so viel Regen brachte

Die im Vorfeld verwendete DWD-Bodendruckprognose zeigte KATJA über Norditalien. Feuchte Luft wurde aus südlichen Richtungen gegen die Alpen geführt. Beim Aufsteigen an den Gebirgen kühlte sie ab, Wolken und Niederschläge verstärkten sich. Dadurch konnten auf vergleichsweise kurzer Entfernung große Unterschiede entstehen: Villach blieb deutlich unter den besonders hohen Summen der italienischen Voralpen.

Mit der nachrückenden Kaltfront gelangte kühlere Luft in den Alpenraum. Traf diese Abkühlung noch auf anhaltenden Niederschlag, ging Regen in höheren Lagen in Schnee über. In Villach-Lind blieb es beim Regen.

Der Ablauf: erste Tropfen am Mittwoch, Auflockerungen am Donnerstag

Mittwoch, 21. Oktober: Bereits am Morgen wurden in Lind erste Tropfen beobachtet. Im weiteren Verlauf regnete es mit wechselnder Intensität. Am Abend und in der folgenden Nacht blieb der Niederschlag ein bestimmendes Thema. Bis Mitternacht kamen an der Wetterstation Villach-Lind 19,2 Millimeter zusammen. Die höchste registrierte Regenrate erreichte 5,6 Millimeter pro Stunde; die Tageshöchsttemperatur lag bei 15,7 Grad.

Im Abendbericht waren 17,8 Millimeter der damalige Zwischenstand; bis Mitternacht stieg die Mittwochssumme auf 19,2 Millimeter.

Donnerstag, 22. Oktober: Auch der Morgen verlief noch nass. Gegen 8:12 Uhr meldete Lind 7,6 Grad und 96 Prozent Luftfeuchtigkeit. Seit Mitternacht waren zu diesem Zeitpunkt bereits 14,2 Millimeter gefallen. Im Laufe des Vormittags ließ der Regen nach. Die Mittagsaufnahmen zeigten wieder Sonnenlücken und deutlich bessere Sicht auf die Berge. Bis zum ausgewerteten Nachmittagsstand stieg die Donnerstagssumme auf 16,0 Millimeter.

Damit ergibt sich für Lind seit Mittwoch eine vorläufige Summe von 35,2 Millimetern beziehungsweise 35,2 Litern pro Quadratmeter. Am frühen Nachmittag lag die Temperatur wieder bei etwa 11 Grad.

Regenbilanz: die zehn höchsten Summen unserer Stationsauswahl

Die Tabelle addiert den vollständigen Mittwoch und den bis Donnerstagnachmittag gemeldeten Donnerstag. Sie ist eine Rangliste der ausgewerteten Stationen aus Villach und Umgebung einschließlich Gailtal, keine vollständige regionale Bestenliste. Stationsstandorte, Messgeräte und Meldezeitpunkte können sich unterscheiden. Ein Millimeter entspricht einem Liter pro Quadratmeter.

RangStationMittwoch (mm)Donnerstag bisher (mm)Summe (mm)
1Neudorf29,620,850,4
2Finkenstein25,121,146,2
3Bleiberg-Nötsch27,418,545,9
4St. Georgen im Gailtal29,514,544,0
5Villach-Wasenboden24,119,843,9
6Villacher Alpe30,311,641,9
7Bad Bleiberg27,013,940,9
7Kerschdorf26,414,540,9
9Göriach30,09,439,4
10Unteraichwald18,020,038,0

Zum Vergleich: Villach-Lind 35,2 Millimeter, Villach 32,7 Millimeter und Hermagor 35,6 Millimeter. Am Weißensee/Gatschach wurden in derselben Auswertung 52,3 Millimeter erreicht. Gerade die Unterschiede innerhalb des Gailtals und des Villacher Raums zeigen, weshalb eine einzelne Stationssumme nicht für die gesamte Region steht.

Blick nach Friaul: örtlich mehr als 300 Liter

Südlich der Grenze fiel das Ereignis wesentlich intensiver aus. Die folgenden Werte stammen aus dem Messnetz von ARPA FVG und beziehen sich auf Mittwoch, 21. Oktober, 0 Uhr bis Donnerstag, 22. Oktober, 15 Uhr MESZ. Das ist ein festgelegtes 39-Stunden-Fenster und noch keine abgeschlossene Zweitagesbilanz. Die Auswahl zeigt sowohl die besonders nassen Voralpen als auch grenznahe Orte.

Station in Friaul-Julisch VenetienNiederschlag (mm)
Malga Valine342,0
Ca’ Selva Invaso293,2
Piancavallo292,6
Chievolis284,7
Sella Chianzutan249,3
Barcis233,1
Tolmezzo (Meteostation)152,1
Musi117,2
Cave del Predil97,7
Tarvisio66,5

Die höchsten Werte lagen somit in den italienischen Voralpen. Selbst innerhalb Friauls gab es ein starkes Gefälle: Tarvisio blieb deutlich unter den Spitzenwerten weiter südwestlich. Die Daten sind vorläufige Messnetzwerte; bei der späteren Qualitätskontrolle sind Änderungen möglich. Messnetz und Daten: ARPA FVG.

Wie treffsicher waren die Wettermodelle?

Das Grundmuster wurde früh erkannt: Regen an der Alpensüdseite, größere Mengen in den südlichen Staulagen und anschließend Abkühlung mit Bergschnee. Auch die frühe Größenordnung von etwa 30 bis 50 Millimetern für Villach passt zur vorläufigen Lind-Bilanz von 35,2 Millimetern.

In den am Dienstag verglichenen Karten bestanden dennoch deutliche Unterschiede. Die folgenden Bandbreiten sind näherungsweise aus den Karten für den Villacher Raum abgelesen. Sie sind keine einheitlich berechneten Punktprognosen.

Modell / vorliegender DienstagslaufUngefähre Kartenmenge für VillachRückblickende Einordnung
ECMWF, 00 UTC25–35 mmNahe an der bisher gemessenen Größenordnung
GFS, 06 UTC25–35 mmEbenfalls nahe an der bisher gemessenen Größenordnung
ICON global, 00 UTC30–45 mmLind liegt innerhalb dieser Bandbreite
SuperHD, 06 UTC5–15 mmFür Lind deutlich zu trocken
ICON-D2, 09 UTC35–50 mmÄhnliche Größenordnung, aber kürzerer Vorhersagezeitraum

Ein späterer ICON-D2-Punktlauf vom Mittwoch, 00 UTC, berechnete für Mittwoch 23,5 und für Donnerstag 11,6 Millimeter: zusammen 35,1 Millimeter. Das liegt auffällig nahe an den bisher gemessenen 35,2 Millimetern. Die Verteilung auf die Tage war weniger genau: Am Mittwoch fiel weniger, am Donnerstag mehr. Außerdem war der Donnerstag zum Zeitpunkt der Auswertung noch nicht beendet.

Auch ICON-D2 blieb nicht in jedem Lauf gleich treffsicher. Die am Mittwochmorgen vorliegende 03-UTC-Summenkarte zeigte für Villach ungefähr 20 bis 30 Millimeter und lag damit unter der bisherigen Lind-Summe. Hochauflösung allein garantiert folglich noch keine bessere lokale Regenprognose.

Beim zeitlichen Ablauf war die anhaltende nasse Phase bis Donnerstagmorgen entscheidend. Frühere optimistischere Vorstellungen einer raschen morgendlichen Beruhigung waren zu früh angesetzt. Der spätere ICON-D2-Lauf vom Mittwochabend zeigte dagegen auch für Donnerstag um 7 Uhr noch Regen im Raum Villach. Die Auflockerungen kamen erst im weiteren Vormittags- und Mittagsverlauf.

Für die italienischen Spitzenwerte gilt: Die früh besprochenen globalen Karten signalisierten regional bereits sehr große Mengen, örtliche Stationswerte lagen nun aber noch darüber. Daraus lässt sich kein sauberer prozentualer Modellfehler berechnen. Ein geglätteter Modell-Gitterwert und eine einzelne besonders niederschlagsreiche Bergstation sind unterschiedliche Größen.

Schnee am Dobratsch und auf der Gerlitzen

Der angekündigte Übergang zu Bergschnee wurde sichtbar: Die Kleine Zeitung Villach berichtete von angezuckerten höheren Bereichen auf Dobratsch und Gerlitzen. Damit bestätigte sich die grundsätzliche Entwicklung aus den Temperatur- und Niederschlagsprognosen. Aus den Bildern allein lassen sich jedoch weder eine genaue Neuschneemenge noch eine durchgehend gültige Schneefallgrenze ableiten.

Was wir aus dieser Wetterlage mitnehmen

Die Modelle lieferten seit dem Wochenende eine brauchbare frühe Orientierung. Besonders belastbar waren die großräumige Regenlage und das starke Gefälle zwischen Villach und den italienischen Staulagen. Unsicherer blieben die lokale Regenmenge einzelner Läufe und das genaue Ende des Niederschlags. Für Lind waren die deutlich trockeneren Varianten zu niedrig angesetzt.

Eine endgültige Modellbewertung braucht identische Start- und Endzeiten, denselben Vergleichsort und abgeschlossene Messreihen. Dieser Rückblick ist deshalb eine nachvollziehbare vorläufige Einordnung der damals besprochenen Prognosen – mit Messwerten bis Donnerstagnachmittag.

Zum Nachlesen: Unsere KATJA-Prognose vom 20. Oktober und die Wochenprognose für Villach. Aktuelle Wetterwerte und Webcams aus Villach-Lind.

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