5 außergewöhnliche Wettertage in Kärnten
Noch über 30 Grad am Sonntag, wenig später Dauerregen, Gewitter und Temperaturen um 13 Grad: Zwischen dem 7. und 11. September 2026 erlebten Villach und Kärnten einen bemerkenswerten Wetterumschwung. Ein kräftiges Italientief brachte in Villach-Lind 68,2 Liter Regen pro Quadratmeter, regional über 100 und an der italienischen Adriaküste sogar mehr als 250 Liter. Am Freitag begann sich das Wetter schließlich wieder zu beruhigen und ausgerechnet zum Bike-Week-Wochenende meldet sich der Spätsommer zurück.
Montag, 7. September: Kärnten erlebt noch einmal Hochsommer
Wer am Montag durch Kärnten unterwegs war, hätte kaum vermutet, wie grundlegend sich das Wetter wenige Tage später präsentieren würde. Weite Teile des Landes erlebten einen nahezu wolkenlosen und ausgesprochen warmen Spätsommertag. Vor allem in Unterkärnten wurde es noch einmal richtig heiß. St. Andrä erreichte 31,5 °C, Klagenfurt 30,0 °C und Villach-Stadt 29,3 °C. Damit herrschte Anfang September noch einmal echtes Hochsommerwetter.
Auch im Villacher Raum war es lange freundlich und warm. Allerdings deuteten sich am Abend bereits erste Veränderungen an. Aus Nordwesten näherten sich Schauer und Gewitter aus Oberkärnten und Osttirol, gleichzeitig waren auch über Friaul Zellen unterwegs.
In Villach-Lind wurden gegen 20 Uhr noch 23,2 °C gemessen. Bei 73 Prozent Luftfeuchtigkeit und einem Taupunkt von 18,1 °C fühlte sich die Luft ausgesprochen mild und schwül an. Später erreichten die Niederschläge auch den Villacher Raum.
Es war der erste kleine Vorbote einer wesentlich größeren Wetterumstellung.
Dienstag: Der Spätsommer hält noch dagegen
Auch am Dienstag, dem 8. September und damit zum offiziellen Beginn der European Bike Week rund um den Faaker See, blieb der Wettercharakter noch spätsommerlich. Für 30 °C reichte es in Villach-Lind zwar nicht mehr, dennoch war von dem bevorstehenden herbstlichen Wettersturz zunächst noch wenig zu spüren.
Auf den Wetterkarten wurde die Entwicklung allerdings immer deutlicher.
Eine Kaltfront näherte sich von Nordwesten, gleichzeitig zeichnete sich südlich der Alpen eine Tiefdruckentwicklung ab. Feuchte Mittelmeerluft sollte gegen die Alpen geführt werden, eine klassische Konstellation für ergiebigen Niederschlag auf der Alpensüdseite. ICON-D2, SuperHD und ECMWF zeigten zunehmend große Regenmengen für Friaul, Kärnten und Teile Osttirols. Damit war klar: Der Spätsommer würde eine ziemlich deutliche Pause einlegen.
Mittwoch: Das Italientief übernimmt die Regie
Am Mittwoch verschlechterte sich das Wetter nachhaltig. Die Bewölkung verdichtete sich, Niederschlag setzte ein und aus dem freundlichen Septemberwetter wurde innerhalb kurzer Zeit eine ausgewachsene Tiefdrucklage. Die Kombination aus der herangeführten feuchten Mittelmeerluft, Hebung an den Alpen und teilweise konvektiv verstärkten Niederschlagsgebieten ließ bereits erkennen, dass es nicht bei ein paar gewöhnlichen Regenschauern bleiben würde. Besonders südlich des Alpenhauptkamms begann sich ein ausgeprägter Niederschlagsschwerpunkt aufzubauen.
Donnerstag: Dauerregen und sogar Gewitter über Villach
Die intensivste Phase erreichte Villach in der Nacht auf Donnerstag und am Donnerstagvormittag. Es regnete über viele Stunden, zeitweise kräftig. In die Niederschläge waren sogar Gewitter eingelagert. Am Morgen wurden über Villach mehrere Erdblitze registriert, darunter auch ein Blitz in unmittelbarer Nähe von Villach-Lind.
Nach einem Sommer, in dem nahe Blitze an der Station eher Mangelware waren, war ausgerechnet der herbstlich anmutende 10. September für eines der eindrucksvolleren Gewittererlebnisse gut. Auch die Regenintensität konnte sich sehen lassen: An der Wetterstation Villach-Lind wurde zeitweise eine maximale Niederschlagsrate von 20,1 mm pro Stunde gemessen. Und es regnete weiter. Bis zum Abend waren in Lind bereits 52,8 mm zusammengekommen.
Von 30 Grad auf kaum mehr als 12 Grad

Mindestens ebenso bemerkenswert wie der Regen war der Temperatursturz. Am Montag waren in Kärnten noch über 30 °C gemessen worden. Am Donnerstag betrug die Tagesmitteltemperatur in Villach-Lind gerade einmal 14,2 °C. Der Höchstwert von 17,3 °C wurde bereits um 00:55 Uhr erreicht. Tagsüber ging es nicht mehr annähernd so hoch hinauf. Der Tiefstwert lag bei 12,7 °C. Dazu kamen eine mittlere Luftfeuchtigkeit von 94,3 Prozent, tiefe Wolken und immer wieder kräftiger Regen. Aus Hochsommer war innerhalb weniger Tage gefühlt Spätherbst geworden.
Genau diesen außergewöhnlichen Kontrast griff auch die Österreichische Unwetterzentrale in ihrer Bilanz auf. Als besonders extremes Beispiel wurde Bad Deutsch-Altenburg genannt: Dort waren zuvor noch 34 °C gemessen worden, während zwei Tage später nicht einmal mehr 15 °C erreicht wurden.
Bilanz dieses markanten Wetterumschwungs: In Bad Deutsch-Altenburg gab's vorgestern noch 34°, heute schaffen wir hier nicht mal 15°.
— uwz.at (@uwz_at) September 11, 2026
Dazu hat's seit Mittwoch überall geregnet, am meisten in Kärnten (~70 l/m² in Villach/Klagenfurt) – am wenigsten in Vorarlberg. pic.twitter.com/UriSL6ynbB
Freitag: Das Italientief wollte zunächst noch nicht gehen
Eigentlich sollte der Einfluss des Tiefs am Freitag zunehmend abklingen. Ganz so schnell ging es allerdings nicht. Am Vormittag zog aus Südwesten noch einmal ein Niederschlagsgebiet über den Villacher Raum. Der vermeintlich letzte Gruß des Italientiefs fiel sogar noch einmal recht kräftig aus. Gegen 11 Uhr wurden in Villach-Lind lediglich 12,7 °C bei 96 Prozent Luftfeuchtigkeit gemessen. Die Niederschlagsrate lag zu diesem Zeitpunkt bei 2,6 mm pro Stunde.
Bis zum Ende des Regens kamen am Freitag nochmals 6,6 mm hinzu. Damit steht die endgültige Bilanz der gesamten Italientief-Wetterlage an unserer Wetterstation in Villach-Lind bei:
68,2 mm beziehungsweise 68,2 Liter Wasser pro Quadratmeter.
Am Nachmittag kam endlich die Sonne zurück
Dann geschah am Freitagnachmittag genau das, worauf man nach den vergangenen Tagen gewartet hatte. Der Regen hörte auf. Zunächst entstanden einzelne Wolkenlücken, anschließend wurde der blaue Himmel immer größer. Zeitweise erreichte die Solarstrahlung wieder 483 W/m². Und weil die Sonne erst spät herauskam, wurde auch die Tageshöchsttemperatur ungewöhnlich spät erreicht: 16,7 °C um 17:20 Uhr.
Am Abend entstanden über Villach schließlich wunderschöne Lichtstimmungen. Hohe und mittelhohe Restwolken wurden von der untergehenden Sonne beleuchtet, während sich dazwischen bereits größere blaue Bereiche zeigten. Auch der Luftdruck lieferte ein deutliches Signal für die Wetterberuhigung: Bis zum späten Abend stieg er auf 1022,5 hPa. Das Italientief war Geschichte.
Rund 70 bis 80 Liter im Villacher Raum

Unsere 68,2 mm in Villach-Lind passen sehr gut in das regionale Messbild.
Die von uns ausgewerteten Messstationen zeigen über die Wetterlage unter anderem 72,5 mm in Villach, 77,9 mm auf der Villacher Alpe, 78,8 mm in Bad Bleiberg, 83,2 mm auf der Kanzelhöhe, 82,8 mm in Feldkirchen, 75,3 mm in Pörtschach und 63,4 mm in Hermagor.
Guten Morgen! In den vergangenen 24 Stunden sind vor allem in Unterkärnten größere Regenmengen gefallen, in Ferlach und Rosenbach wurden 70 mm gemessen. Derzeit regnet es vor allem im Osten, im Tagesverlauf ist aber eine Wetterbesserung in Sicht. pic.twitter.com/QYW5cYz0b4
— uwz.at (@uwz_at) September 11, 2026
Auch die Österreichische Unwetterzentrale bezifferte die Niederschlagsmengen im Bereich Villach/Klagenfurt mit ungefähr 70 l/m².
Italientief: In Kärnten und Osttirol fielen in 48 Stunden 40 bis 80 l/m², entlang der Karawanken punktuell bis 120, am Paulitschsattel 112. Erst das dritte ergiebige Italientief heuer nach Februar und Juni.https://t.co/5XIm4msfyW pic.twitter.com/mF3qFnMjWv
— tauernwetter (@tauernwetter) September 11, 2026
Tauernwetter kam für Kärnten und Osttirol innerhalb von 48 Stunden verbreitet auf 40 bis 80 l/m². Entlang der Karawanken wurden punktuell sogar bis zu 120 l/m², am Paulitschsattel 112 l/m² registriert. Damit handelte es sich nicht um ein lokales Villacher Ereignis, sondern um einen ausgeprägten Niederschlagsschwerpunkt über dem gesamten Süden Österreichs. Bemerkenswert ist noch eine weitere Einordnung: Laut Tauernwetter war dies bereits das dritte ergiebige Italientief des Jahres 2026 nach Februar und Juni.
Auf der anderen Seite der Berge wurde es noch extremer
Wie stark die Alpen die Niederschlagsverteilung beeinflussten, zeigt ein Blick nach Italien. Bereits Pontebba meldete 150,5 mm. Damit fiel dort mehr als doppelt so viel Niederschlag wie in Villach-Lind. Doch selbst das war noch längst nicht das Maximum dieser Wetterlage.
An der oberen Adria kam es zu schweren Unwettern und Überflutungen. Für Lignano wurden innerhalb von 48 Stunden unglaubliche 254 l/m² gemeldet. Aus Bibione wurden größere Überflutungen im Ortszentrum dokumentiert. Berichten zufolge waren auch Campingplätze im Raum Bibione, Lignano und Grado betroffen.
Damit reicht die Dimension dieser Wetterlage von rund 68 mm in Villach-Lind über 100 bis 150 mm unmittelbar südlich der Alpen bis zu mehr als 250 mm an der oberen Adria.
Auch über anderen Teilen des Mittelmeer- und Adriaraums zeigte sich die Atmosphäre ausgesprochen instabil. Vor Pakoštane in Kroatien wurde eine mächtige Gewitterfront mit Blitzen fotografiert, während vor Santa Margherita Ligure eine eindrucksvolle Wasserhose beobachtet wurde.
Noćas iznad Pakoštana.
— Neverin (@neverinhr) September 11, 2026
Foto: Adria WX pic.twitter.com/CY7LsL1MzJ
Pakoštane, shelf i munja ⛈️
— Neverin (@neverinhr) September 10, 2026
Foto: Adria WX pic.twitter.com/AqyuohMloV
Diese Ereignisse zeigen die enorme konvektive Energie über den noch warmen Meeresflächen, sollten aber nicht automatisch alle demselben Tiefzentrum zugerechnet werden.
Wie gut lagen ICON-D2, SuperHD und ECMWF?
Rückblickend lohnt sich auch ein Blick auf unsere Modellanalysen der vergangenen Tage. Denn eines muss man den Wettermodellen lassen: Die großräumige Wetterentwicklung wurde ziemlich gut erkannt. ICON-D2, SuperHD und ECMWF zeigten frühzeitig die Ausbildung beziehungsweise Verstärkung der Tiefdrucklage südlich der Alpen. Ebenso richtig wurde der Niederschlagsschwerpunkt auf der Alpensüdseite und über Kärnten erkannt. Bei der exakten Niederschlagsmenge wurde es dagegen schwieriger. Insbesondere für Villach lagen einzelne Modellrechnungen während der intensivsten Phase unter den tatsächlich beobachteten Mengen. Am Donnerstagmorgen waren in Villach-Lind bereits mehr als 40 mm gefallen, während Modellkarten für entsprechende beziehungsweise nachfolgende Zeiträume teilweise eher Größenordnungen um 30 bis 40 mm für den Villacher Raum zeigten. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Modelle grundsätzlich falsch lagen.
Im Gegenteil: Das Ereignis, seine zeitliche Entwicklung und vor allem der regionale Niederschlagsschwerpunkt wurden gut erfasst. Die lokalen Spitzen wurden dagegen teilweise unterschätzt. Gerade bei einer solchen Wetterlage ist das nachvollziehbar. Staueffekte an den Alpen, kleinräumige Niederschlagsbänder und eingelagerte Gewitter können auf wenigen Kilometern enorme Unterschiede erzeugen.
Unsere Messwerte liefern dafür das beste Beispiel: 68,2 mm in Villach-Lind, 72,5 mm in Villach, 83,2 mm auf der Kanzelhöhe, lokal bis rund 120 mm entlang der Karawanken, 150,5 mm in Pontebba und 254 mm in Lignano. Kein Modell kann solche lokalen Unterschiede auf den Millimeter genau vorhersagen.