70 Liter Regen, Schnee bis tief auf die Berge und frostige Nächte
Die zweite Maiwoche 2026 verlief in Villach-Lind außergewöhnlich abwechslungsreich und erinnerte zeitweise eher an den Spätwinter als an die zweite Monatshälfte im Mai. Verantwortlich dafür war eine hartnäckige Tiefdrucklage über Süd- und Mitteleuropa, die Kärnten über mehrere Tage hinweg immer wieder feuchte und ungewöhnlich kalte Luftmassen brachte. Besonders markant: enorme Temperaturgegensätze innerhalb weniger Tage, anhaltender Regen sowie Schnee bis auf die mittleren Berglagen hinab.
Bereits zu Wochenbeginn zeigte sich das Wetter noch vergleichsweise freundlich und mild. Am 11. und 12. Mai wurden in Villach-Lind noch Temperaturen knapp über der 20-Grad-Marke erreicht. Mit Annäherung des ersten Italientiefs setzte jedoch rasch ein markanter Wetterumschwung ein. Die Temperaturen brachen innerhalb kurzer Zeit regelrecht ein, begleitet von dichten Wolkenfeldern und ersten Niederschlägen.

Der erste markante Regenabschnitt folgte rund um den 12. Mai. Zwar waren die Mengen zunächst noch überschaubar, doch bereits hier zeigte sich, dass sich die Tiefdrucklage zunehmend festfahren würde. Besonders ab dem 14. Mai intensivierte sich die Niederschlagstätigkeit deutlich. Immer wieder zogen kräftige Regenstaffeln über den Zentralraum Kärnten hinweg, während die Schneefallgrenze in den Tauern und Karawanken kontinuierlich absank.
Der Höhepunkt der Kältephase wurde schließlich zur Wochenmitte erreicht. In der Nacht auf Mittwoch sank die Temperatur in Villach-Lind auf nur noch -0,1 Grad ab – ein außergewöhnlicher Wert für die zweite Maihälfte. Gleichzeitig präsentierten sich Dobratsch, Gerlitzen, die Karawanken und selbst mittlere Höhenlagen tief winterlich angezuckert. Teilweise reichte der Neuschnee bis knapp oberhalb der Tallagen herab. Tagsüber blieb es trotz einzelner Auflockerungen meist kühl, häufig wurden nur 7 bis 12 Grad erreicht.
Besonders markant war die Dauer der Niederschlagsphase. Zwischen 14. und 16. Mai fiel nahezu durchgehend Regen, teils kräftig und schauerartig verstärkt. Insgesamt kamen in Villach-Lind innerhalb der Woche rund 70 mm Niederschlag zusammen. Damit wurde ein erheblicher Teil des bisherigen Mai-Niederschlags innerhalb weniger Tage aufgeholt. Gleichzeitig blieb die Verdunstung aufgrund der tiefen Temperaturen äußerst gering, wodurch die Landschaft zunehmend gesättigt wirkte.

Interessant war auch der Vergleich der Wettermodelle im Vorfeld dieser Lage. Während einzelne Läufe die Niederschlagsmengen zwischenzeitlich deutlich zu hoch ansetzten, zeigte sich insbesondere das ICON-D2-Modell über weite Strecken erstaunlich treffsicher bei der räumlichen Verteilung und der Dauer des Regens. ECMWF tendierte zeitweise etwas zu geringeren Summen im Zentralraum Kärnten, während regionale Modelle die Staueffekte an den Karawanken und Tauern besser erfassten. Die letztlich gemessenen rund 70 mm lagen insgesamt im Bereich der realistischeren Prognoseläufe der letzten Tage vor dem Ereignis.
Erst zum Wochenende hin entspannte sich die Wetterlage langsam wieder. Am Samstag und Sonntag lockerten die Wolken zeitweise auf, die Sonne gewann zumindest phasenweise wieder an Kraft und die Temperaturen näherten sich langsam der 15- bis 18-Grad-Marke an. Dennoch blieb die Luftmasse weiterhin ungewöhnlich kühl und trocken, was sich unter anderem an sehr niedrigen Taupunkten bemerkbar machte.
Die Woche wird in Villach-Lind jedenfalls als eine der markantesten Mai-Phasen der letzten Jahre in Erinnerung bleiben – mit außergewöhnlicher Kälte, spätwinterlichen Bergen, ergiebigem Regen und einem Wettercharakter, der zeitweise eher an den Oktober oder März erinnerte als an die zweite Maihälfte.